Giambattista Bodoni


war der König der Drucker
und Drucker der Könige.

wird 1740 als Sohn eines Typographen in Saluzzo, Piemont, geboren.

Von 1758 bis 1766 arbeitet er in Rom als Setzer in der polyglotten Druckerei von Propaganda Fide. Rom ist die Schule, die ihm zum großen Ruhm verhilft. Hier war er Drucker, Graveur von Typenornamenten und Holzbuchstaben, Student für orientalische Sprachen an der Universität La Sapienza, Setzer und Herausgeber von exotischen Veröffentlichungen.

1762 druckt er seine ersten Werke: ein arabisch-koptisches Meßbuch und das Tibetanische Alphabet von Pater Giorgi, Bücher, die mit einer solchen Exaktheit ausgeführt wurden, daß die Pater ihm anerkennend erlaubten, sie mit seinem Namen zu signieren: Romae Excudebat Johannes Baptista Bodonus Salutiensis. Nach fünfjähriger zäher und fleißiger Lehrlingszeit war der junge Mann in der Lage, mit großem Fachverstand die exotischen Schrifttypen zu beherrschen.

1768 entschließt er sich, Rom zu verlassen und nach London zu gehen, um sich in der Kunst des Gravierens zu vervollkommnen. In Piemont angekommen, erkrankt er am Tertianafieber und muß auf seine Weiter reise verzichten. In Saluzzo erreicht ihn die Einladung des Herzogs Ferdinand von Parma, der ihn in seine Hauptstadt ruft, um eine königliche Druckerei aufzubauen und zu leiten. Bodoni wird in Parma sein ganzes Leben verbringen.

1769 druckt er mit den Stichen des Hofarchitekten Ennemond Alexandre Petitot die Descrizione delle Feste für die Hochzeit des Herzogs Ferdinand mit der Erzherzogin Maria Amalia von Österreich. Es wird das wichtigste italienische Buch über Feste, das schönste wegen seiner Abbildungen.

1771 veröffentlicht er seinen ersten typographischen Beitrag, Fregi e Majuscole, mit dem er eine Serie von technischen Handbüchern aus seiner Druckerpresse beginnt. Er verbreitet sie in ganz Europa als eine Art Werbegeschenk, um die Aufmerksamkeit der Kenner der Kunst der Schrifttypen, seinem »fortissimamente volli«, zu erregen. Eine schöne Type, so seine These, ist immer eine schöne Seite, ihre direkteste und exakte Verkörperung.

1782 wird er von Karl III. von Spanien zum Kammer-Typographen ernannt. Im selben Jahr erscheint der Druck L`Essai de Characteres Russes anläßlich des Besuches des russischen Herrscherpaares in seiner Druckerei. Zwei Jahre später, zur Erinnerung an einen anderen illustren Besuch in Parma, den von Gustav III. von Schweden, läßt er die Typomnema Parmense drucken.


aus dem Manuale Tipografico

1788 veröffentlicht er ein wunderbares Manuale Tipografico mit 100 lateinischen runden, 50 kursiven und 28 griechischen Minuskeltypen, die 1968 von Giovanni Mardersteig in perfekten Faksimile mit der Handpresse nachgedruckt wurden.

1790 erlaubt ihm der Herzog von Parma, eine private Druckerei zu halten, in der er die Ausgaben der klassischen Römer, Griechen und Italiener, einer 1791 mit Horatius begonnenen wundervollen Serie, unter der Schirmherrschaft des spanischen Botschafters in Rom, Nicolò de Azara, herstellt.

1791 heiratet er Margherita Dall‘ Aglio, eine liebevolle Mitarbeiterin, die nach seinem Tod sein Werk fortführen wird.

Im gleichen Jahr kann er dank der neuen privaten Druckerei seine unersättlichen Perfektionsansprüche besser befriedigen. Bodoni war in der Tat vor allem ein begnadeter Graveur, der die wichtigsten Typen der Welt gravierte und goß. Sein Wahlspruch war: »Die Typen sind notwendig allein für sich selbst, jedoch der ganze Rest dient in der Hauptsache ihnen. Beginn und Ende der schönen Seite ist immer die Type, je präziser und perfekter sie nur sein kann«.

Diese Ausgaben, angefangen vom Horatius (1791), dessen Deckblatt so rein und klassisch war, daß es mit der Fassade eines Tempels verglichen wurde, tragen sein persönliches Sigel: Parmae, Tipys Bodonianis.

Ein besonderer Platz unter diesen Ausgaben gebührt dem Virgilio von 1793, einer kostbaren Edition, von der drei Exemplare in Pergament verlegt wurden.

La Gerusalemme von Tasso, mit einer Widmung an den König von Spanien in Kanzleischrifttypen und einem Vorwort von Bodoni selbst, ist als eines seiner Meisterwerke zu betrachten (1794). Es erschien in einer Auflage von 130 Exemplaren, von denen 100 für seine Subskribenten bestimmt waren.

La Divina Commedia, Ludovico di Borbone gewidmet, datiert von 1795.

Antonio Vallardi gab 1967 einen Neudruck anläßlich der Siebenhundertjahrfeier der Geburt Dantes heraus.

1800 entstanden die Pitture di Antonio Allegri detto il Correggio esistenti nel monistero di San Paolo. Es handelt sich um 35 Figuren von Rosaspina, teils in schwarz, teils in rot gestochen, mit einem Effekt, der den Reichtum der Lithographie vorwegnimmt.

1806 ist das Erscheinungsjahr von L`Oratio Dominica in CLV linguas versa. Ein kostbares Buch, epochal in der Geschichte der Typographie, das die Widmung an den Vizekönig von Italien, Prinz Eugenio di Beauharnais enthält und ein Vorwort in Französisch, Italienisch und Latein. Es ist in vier Teile gegliedert, beinhaltet asiatische, europäische, afrikanische und amerikanische Sprachen. In 215 verschiedenen Typen gedruckt, kann man es das typographische Handbuch der reichen Bodonianischen Folge nennen, die ihre Krönung in dem von 1818 findet, das die Witwe postum herausgab und von der Fachwelt mit außergewöhnlichem Interesse erwartet wurde.

1808 entstand die Iliade auf Griechisch, eine superbe Ausgabe in drei Bänden. Zwei Exemplare davon wurden in feinstem bayrischen Pergament ausgeführt, eins für Napoleon (heute in der Nationalbibliothek von Paris) und das andere für Eugenio di Beauharnais (Bibliotheca Palatina von Parma). In den letzten Jahren seines unermüdlichen Lebens arbeitet Bodoni im Auftrag des Königs von Neapel, Gioacchino Murat, an der Vollendung der Editionen von vier französischen Klassikern, Fenelon, Racine, La Fontaine, Boileau.

1813 stirbt er in Parma am 30. November.
Die traurige Nachricht wird in Parma vom Klang der großen Glocke des Domes verkündet, eine Ehre, die nur den bedeutendsten Familien und Persönlichkeiten zugedacht wurde. Am 2. Dezember fand die Beerdigung statt, an der die Repräsentanten des Staates, der Stadt und sämtlicher wissenschaftlicher und kultureller Institutionen und Vereinigungen teilnahmen.

1818 gibt die Witwe Margherita Dall’Aglio postum das große Manuale Tipografico, das Ergebnis seiner gesamten Tätigkeit, heraus.

1843 kauft die Herzogin von Parma, Marie Louise, die umfangreiche typographische Ausstattung Bodonis, bestehend aus u.a. 22618 Prägestempeln und 42148 Matrizen von 289 verschiedenen Schriften, die heute im Museo Bodoni in Parma zusammen mit seiner gesamten Korrespondenz und der Sammlung seiner Ausgaben zu sehen sind.

Am 6. Oktober 1979 enthüllen Vertreter graphischer Gesellschaften von Zürich, Wien und Wiesbaden als Zeichen erneuerter Bewunderung gegenüber dem Schriftkünstler in seinem Mausoleum eine Gedenktafel:

Giambattista Bodoni.
Vor seinem Werk und Wirken
verneigen sich die Drucker der Länder
deutscher Sprache.
MCMLXXXIX